Im ungünstigsten Fall springt eine Wärmepumpe nachts an und heizt ihren Wärmespeicher mit Netzstrom auf, obwohl die Solaranlage mittags Strom übrig hatte. Sie heizt nach ihrem eigenen Plan, denn von der Solaranlage erfährt sie nichts.

Ein Shelly – ein kleines WLAN-Schaltmodul – schließt diese Lücke. Solistrom schaltet ihn ein, sobald genug Solarstrom übrig ist, und die Wärmepumpe hebt daraufhin die Solltemperatur ihres Wärmespeichers an. So landet der Überschuss als Wärme im Speicher, und nachts braucht die Wärmepumpe oft kaum noch Strom.

Zwei Betriebszustände reichen

SG Ready (Smart Grid Ready) ist eine standardisierte Schnittstelle, über die eine Wärmepumpe Signale von außen annimmt. Manche Wärmepumpen haben stattdessen einen PV-Ready-Eingang, der nach demselben Prinzip arbeitet. Wie Wärmepumpe und Solaranlage grundsätzlich zusammenspielen, erklärt unser Artikel Wärmepumpe & PV. Von den vier Betriebszuständen, die SG Ready vorsieht, nutzt die Steuerung mit dem Shelly zwei:

  • Betriebszustand 2 – Normalbetrieb: Der Shelly ist aus. Die Wärmepumpe heizt wie gewohnt nach ihrer eigenen Regelung.

  • Betriebszustand 3 – Einschaltempfehlung: Der Shelly ist an, weil genug Solarstrom übrig ist. Die Wärmepumpe soll jetzt Wärme auf Vorrat erzeugen.

Was du brauchst

  • Eine Wärmepumpe mit SG-Ready- oder PV-Ready-Eingang: Ob deine einen hat, steht in der Bedienungsanleitung. Für SG Ready hilft auch die Datenbank des Bundesverbands Wärmepumpe.

  • Einen Shelly mit potenzialfreiem Kontakt: Geeignet ist etwa ein Shelly 1 oder Shelly Plus 1. Potenzialfrei heißt: Der Shelly schließt nur einen Kontakt und legt selbst keine Spannung an.

  • Ein Netzteil mit 12 oder 24 Volt Gleichspannung: Wir empfehlen, den Shelly darüber zu versorgen. Dazu kommen Kabel und Stecker.

  • Ein Konto in der Shelly Cloud: Darüber verbindet sich Solistrom mit deinem Shelly.

  • Eine Elektrofachkraft: Arbeiten an 230 Volt gehören in ihre Hände. Lass sie am besten auch den Shelly an der Wärmepumpe anschließen.

Der Anschluss an der Wärmepumpe

Der Schaltkontakt des Shellys kommt an den SG-Ready- bzw. PV-Ready-Eingang der Wärmepumpe. An diesem Eingang legt die Wärmepumpe meist selbst 3,6 bis 5 Volt Gleichspannung an. Von außen darf deshalb keine weitere Spannung dazukommen – genau dafür braucht es den potenzialfreien Kontakt. Welche Klemmen bei deinem Modell die richtigen sind, steht in der Installationsanleitung der Wärmepumpe.

Den Eingang aktivierst du an der Steuerung der Wärmepumpe, nicht in Solistrom. Dort legst du auch fest, um wie viel Grad sie die Temperatur bei Überschuss anhebt und wie lange sie dann mindestens läuft. Wie das bei deinem Modell geht, steht in der Bedienungsanleitung.

So richtest du den Shelly in Solistrom ein

Zuerst bringst du den Shelly in der Shelly-App ins WLAN und verbindest ihn mit der Shelly Cloud. Wie du ihn danach mit Solistrom koppelst, zeigt unsere Einrichtungsanleitung für Shelly. In der Solistrom-App kommt es dann auf drei Punkte an:

  • Als Schalter anlegen: Der Shelly misst hier nichts, er gibt nur das Signal an die Wärmepumpe weiter. Deshalb legst du ihn als Schalter an.

  • Solar-Optimierung wählen: In diesem Modus schaltet Solistrom den Shelly nur ein, wenn deine Solaranlage genug Strom übrig hat.

  • Nennleistung eintragen: Sie entspricht der Leistung, die deine Wärmepumpe im Überschussbetrieb aufnimmt, also in Betriebszustand 3.

Warum die Nennleistung stimmen muss

Die Nennleistung ist der Einschaltpunkt: Solistrom schaltet den Shelly erst ein, wenn mindestens so viel Solarstrom übrig ist, wie du eingetragen hast. Beziehst du wieder Strom aus dem Netz, schaltet Solistrom ihn aus, und die Wärmepumpe kehrt in den Normalbetrieb zurück. Liegt der eingetragene Wert daneben, kann das in beide Richtungen schiefgehen:

  • Zu niedrig: Solistrom gibt das Signal schon bei wenig Überschuss. Die Wärmepumpe braucht im Betrieb aber mehr und bezieht den Rest aus dem Netz, bis Solistrom sie zurück in den Normalbetrieb schickt. Schaltet sie danach ab, ist der Überschuss wieder da – und alles beginnt von vorn.

  • Zu hoch: Solistrom wartet auf einen Überschuss, den deine Anlage selten oder nie erreicht. Das Signal kommt zu spät oder gar nicht, und dein Solarstrom fließt ins Netz statt in den Wärmespeicher.

Kurz gesagt: Eine zu niedrige Nennleistung lässt die Wärmepumpe teils mit Netzstrom heizen, eine zu hohe lässt Sonnenstrom ungenutzt ins Netz fließen.

Trag deshalb die Leistung ein, die deine Wärmepumpe im Überschussbetrieb tatsächlich aufnimmt. Einen ersten Anhaltspunkt liefern ihre technischen Daten. Genauer wird es, wenn du in der Solistrom-App beobachtest, um wie viel dein Verbrauch steigt, sobald die Wärmepumpe im Überschussbetrieb läuft – und den Wert danach anpasst.

Häufige Fragen

Läuft die Wärmepumpe sofort an, wenn der Shelly schaltet?

Nicht unbedingt. Betriebszustand 3 ist eine Empfehlung, kein Befehl: Ob und wie lange die Wärmepumpe läuft, entscheidet ihre eigene Regelung. Hat ihr Wärmespeicher die angehobene Temperatur schon erreicht, gibt es nichts zu tun.

Wird es im Haus kalt, wenn keine Sonne scheint?

Nein. Ohne Überschuss bleibt die Wärmepumpe im Normalbetrieb und heizt wie bisher. Solistrom verlagert nur einen Teil der Wärmeerzeugung in die Stunden, in denen deine Solaranlage Strom übrig hat.

Geht es auch ohne Shelly?

Bei manchen Wärmepumpen ja: Sie lassen sich direkt über die Schnittstelle des Herstellers mit Solistrom verbinden. Ob deine dabei ist, siehst du in unserer Geräteliste.

So legst du los

Prüf zuerst, ob deine Wärmepumpe einen SG-Ready- oder PV-Ready-Eingang hat. Dann lässt du den Shelly von einer Elektrofachkraft anschließen und aktivierst den Eingang an der Wärmepumpe. Zum Schluss verbindest du den Shelly mit Solistrom, legst ihn als Schalter an, wählst die Solar-Optimierung und trägst die Nennleistung ein. Ab dann bekommt deine Wärmepumpe Bescheid, sobald deine Solaranlage Strom übrig hat. Weitere Hebel für mehr Eigenverbrauch findest du in unserem Artikel Eigenverbrauch erhöhen.